WIEDEREINSTIEG

Zurück in die Praxis

Ob Elternzeit, die Pflege kranker Angehöriger oder einfach eine Auszeit – es gibt viele Gründe, warum Ärzte, Psychotherapeuten oder Medizinische Fachangestellte eine zeitlang beruflich pausieren. Der Weg zurück ist nicht nur organisatorisch eine Umstellung, sondern in einem Fach wie der Medizin, in dem das Wissen stetig zunimmt, auch inhaltlich eine Herausforderung. Helfen kann dabei der Besuch eines Wiedereinstiegskurses. Um nicht von Null auf 100 starten zu müssen, ist auch ein langsamer Einstieg möglich.

Wiedereinstiegskurse

Hinter dem etwas sperrig klingenden Namen verbergen sich Fortbildungsveranstaltungen, die den Wiedereinstieg in den Arztberuf nach der Elternzeit erleichtern und aktuelles Wissen aus der und für die Praxis vermitteln. Teilnehmer können sich so in kurzer Zeit fachlich auf den neuesten Stand bringen lassen.

Es gibt u. a. folgende Angebote:

  • Einige Landesärztekammern bieten Wiedereinstiegskursen für Ärzte und Medizinische Fachangestellte an.
  • Auch Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) haben Veranstaltungen im Programm, die Wissen rund um die vertragsärztliche Tätigkeit vermitteln. Um den Wiedereinstieg von Ärzten und Praxispersonal, das nach einer längeren Pause wieder mit der Durchführung der ärztlichen Abrechnung betraut ist, zu erleichern, bietet beispielsweise die KV Saarland ein „Abrechnungsseminar für Wiedereinsteiger“ an.
  • Die Kaiserin Friedrich-Stiftung für das ärztliche Fortbildungswesen in Berlin bietet mit Unterstützung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung einmal jährlich einen Kurs für den Wiedereinstieg an. Die Veranstaltung dauert zwei Wochen. Sie findet in der Regel im Januar statt.
Wiedereinstiegskurse der Kaiserin Friedrich-Stiftung 

Um Ärzten die Rückkehr in den Beruf zu erleichtern, bietet die Kaiserin Friedrich-Stiftung in Berlin Kurse für den Wiedereinstieg an. Hauptziel des zweiwöchigen Kurses ist ein aktueller Überblick über medizinische Themen aus verschiedenen Fachgebieten.

Die Referenten sind ausgewiesene Experten, darunter Chef- und Oberärzte aus Kliniken, aber auch anderen Einrichtungen, in denen Mediziner tätig sind, etwa Versicherungsträger und Behörden. Sie vermitteln kompaktes Wissen zu ausgewählten Fragestellungen, von der Akut-Medizin über Pharmakologie bis Urologie.

Über die ein- bis zweistündigen Vorträge und anschließenden Diskussionen hinaus erhalten die Teilnehmer weitere Informationen und Anregungen zur persönlichen Qualifizierung. Die Referenten stehen außerdem als Ansprechpartner für Fragen rund um den Wiedereinstieg zur Verfügung, z. B. wenn eine Ärztin nach der Geburt nur Teilzeit arbeiten möchte oder ärztliche Betätigungsfelder außerhalb der klassischen Praxis sucht.

Anmeldung und weitere Informationen unter www.kaiserin-friedrich-stiftung.de

Finanzielle Förderung

Die Hartmannbund-Stiftung „Ärzte helfen Ärzten“ bietet finanzielle Hilfestellung bei der Berufseingliederung: Bedürftige Ärzte, die unverschuldet in Not geraten sind, können eine Förderung von bis zu 400 Euro im Jahr erhalten. Die Unterstützung wird bei Nachweis entsprechender Unterlagen auch für Wiedereinstiegskurse gewährt.

Die Stiftung „Ärzte helfen Ärzten“ ist als lebendige Brücke der Solidarität innerhalb der Ärzteschaft gegründet worden. Sie verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige und mildtätige Zwecke. Dazu gehört auch die Unterstützung von Arztkindern, deren Eltern sich in einer finanziell prekären Lage befinden. Vorrangiges Ziel ist, ihnen einen Weg in die berufliche Existenz zu ermöglichen. Daneben bietet die Stiftung auch Hilfestellung bei der Integration ausländischer Ärzte.

Langsamer Wiedereinstieg: in der Elternzeit zurück in die Praxis

Eine Möglichkeit, um sich allmählich wieder an den Arbeitsalltag zu gewöhnen, bietet der „langsame Wiedereinstieg“: Während der Elternzeit kann eine Nebentätigkeit von bis zu 30 Stunden pro Woche bei dem Arbeitgeber oder mit dessen Zustimmung auch bei einem anderen Arbeitgeber beziehungsweise eine selbstständige Tätigkeit durchgeführt werden. Der Arbeitgeber kann seine Zustimmung nur aus dringenden betrieblichen Gründen verweigern.

Kinderbetreuung während des Seminars

Die KV Westfalen-Lippe hat einen Wiedereinstiegskurs zu „Updates in der Medizin“ im Programm – und bietet Eltern dabei auch eine Kinderbetreuung an. Genutzt wird dafür eine benachbarte KiTa. Die Betreuungskosten für die Drei- bis Sechsjährigen müssen die Teilnehmer allerdings selbst tragen, die Höhe richtet sich unter anderem nach dem Einkommen. Fragen dazu beantwortet Guido Hüls vom Ressort Fortbildung der Ärztekammer Westfalen-Lippe unter (0251) 929 22 10. Ein weiterer Anreiz: Die KV erstattet die Seminarkosten, wenn der teilnehmende Arzt nach dem Kurs wieder im ambulanten Bereich für Westfalen-Lippe arbeitet.

Wiedereinsteigerseminar „Updates in der Medizin“

  • Aktuelle Aspekte für Tätigkeiten in Klinik und Praxis
  • Aufgaben, Dienst- und Serviceleistungen der ärztlichen Körperschaften

Termine: www.aekwl.de (Fortbildung – Workshops)
Ort: Ärztehaus, Gartenstraße 210–214, 48147 Münster
Leitung: Dr. med. Eugen Engels, Eslohe
Kosten: 1.045 Euro für Mitglieder der Akademie, 1.145 Euro für Nichtmit­glieder, 945 Euro für Arbeitslose/Erziehungsurlaub
Auskunft: Guido Hüls, Tel.: 0251 / 9 29 22 10, E-Mail: guido.huels@aekwl.de

Die Veranstaltung ist im Rahmen der Zertifizierung der ärztlichen Fortbildung der ÄKWL mit 80 Punkten (Kategorie C) anrechenbar.

Einstiegskurs an der Goethe-Universität Frankfurt

Die Frankfurter Goethe-Universität bietet seit 2014 einen Wiedereinstiegskurs in den ärztlichen Beruf an. Er trägt den Titel „Re-Birth“ und soll das Vertrauen in die eigenen ärztlichen Entscheidungen wiederbeleben. Alle drei Wochen an einem Samstag (Termine erfahren Sie hier) werden die Teilnehmer mit einem Patientenfall konfrontiert, wobei sowohl dessen aktuelle Beschwerden vorgestellt werden als auch grundlegende Informationen zur Anamnese. Anschließend sollen die Teilnehmer analysieren, was wichtig und weiterführend ist, was noch interessant ist und was als nächstes gemacht werden sollte.

Die Teilnahme ist kostenfrei, da das Modellprojekt „Re-Birth“ vom Europäischen Sozialfonds (EFS) gefördert wird. Allerdings müssen alle Teilnehmer ihre Reisekosten selbst tragen. Auch Fortbildungspunkte gibt es jedoch nicht. Dafür ist der Einstieg in den Kurs jederzeit möglich, da die jeweils vorgestellten Patientenfälle nicht aufeinander bauen. Eine Kinderbetreuung für die Zeit des Kurses kann nach vorheriger Anfrage organisiert werden. Mehr Informationen

Infotipp: