Bereitschaftsdienst

Hilfe im Notdienst – damit Vertragsärzte nicht permanent im Einsatz sind

Vertragsärzte sind grundsätzlich verpflichtet, am ärztlichen Bereitschaftsdienst teilzunehmen. In welcher Form und in welchem Umfang, ist regional sehr unterschiedlich.

Ärztlicher Bereitschaftsdienst unterschiedlich organisiert

Die Organisation des Bereitschaftsdienstes für gesetzlich Krankenversicherte ist Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV). Sie kümmern sich darum, dass Patienten in dringenden medizinischen Fällen auch außerhalb der regulären Sprechzeiten ambulant behandelt werden.

Auch nachts, am Wochenende und an den Feiertagen stehen Ärzte bereit, die kranke Menschen zu Hause oder in speziellen Bereitschaftsdienstpraxen versorgen. Wie der Dienst organisiert wird, ist bundesweit verschieden. Während zum Beispiel in Berlin die Bereitschaftsdienstärzte zu den Patienten fahren, funktioniert die Versorgung in anderen Regionen vor allem über Not- und Bereitschaftsdienstzentralen, die von den Patienten aufgesucht werden.

Die Bereitschaftsdienste der KVen übernehmen keine Notfälle. Bei lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall alarmieren Patienten die Feuerwehr.

Befreiung vom Bereitschaftsdienst

Viele Kassenärztliche Vereinigungen bieten beim Bereitschaftsdienst Erleichterungen an. Durch den Aufbau von Bereitschaftsdienstpraxen zum Beispiel soll erreicht werden, dass die Ärzte seltener am Notdienst teilnehmen müssen. Außerdem gibt es folgende Entlastungsmöglichkeiten:

  • Manche KVen sehen in ihren Notfalldienstordnungen eine Befreiung vor, wenn dem Arzt die Teilnahme aufgrund „besonders belastender familiärer Pflichten“ nicht möglich ist. Dazu kann auch die Betreuung des kleinen Kindes oder des pflegebedürftigen Partners gehören.
  • Vertragsärztinnen können sich in aller Regel während der Schwangerschaft und nach der Geburt eines Kindes vom organisierten Bereitschaftsdienst befreien lassen – der Zeitraum variiert hier von zwölf Monaten bis zu 36 Monaten.
  • In einigen KV-Bereichen ist die Teilnahme sogar komplett freiwillig.

 Beispiele

Welche Entlastungsmöglichkeiten es gibt, sollen folgende Beispiele verdeutlichen:

Beispiel Schleswig-Holstein

Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist in Schleswig-Holstein über eine einheitliche Telefonnummer und über Anlaufpraxen organisiert, die meist an Krankenhäuser angeschlossen sind. Diese Struktur mit fahrendem Dienst bietet gerade jungen Arztfamilien viele Vorteile.

Freiwilligkeit: Die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) kann im allgemeinen Bereitschaftsdienst auf eine Dienstverpflichtung der Ärzte verzichten, solange genug Freiwillige die Dienste übernehmen.

Planbarkeit der Dienste: Wenn ein Arzt am ärztlichen Bereitschaftsdienst teilnimmt, sind die Dienstzeiten für ihn drei Monate im Voraus festgelegt und familienfreundlich gestaltet.

Leitstelle übernimmt Koordination: Die Organisation des ärztlichen Bereitschaftsdienstes übernimmt die KVSH, d. h. im fahrenden Dienst muss nicht der Partner oder ein Familienangehöriger des diensthabenden Arztes die Patientenanrufe annehmen und den Einsatz koordinieren. Das übernimmt die Leitstelle, in der jeder Mitarbeiter über eine abgeschlossene medizinische Ausbildung verfügt.

Beispiel Saarland

Die Kassenärztliche Vereinigung Saarland macht positive Erfahrungen mit Bereitschaftsdienstpraxen und größeren Notfalldienstringen. Dies führt zu einer niedrigeren Notfalldienstfrequenz pro Arzt und einer besseren Akzeptanz ländlicher Standorte – insbesondere bei jüngeren Praxisbewerbern.

Mit der familienfreundlichen Gestaltung der Notdienste will die KV die Niederlassung wieder attraktiver machen. Saarlandweit gibt es mittlerweile zwölf Bereitschaftsdienstpraxen sowie drei Notdienstpraxen für Kinder und Jugendliche. Insgesamt sind etwa 1.200 der rund 1.750 KV-Ärzte in den Bereitschafts- und Notdienstpraxen organisiert.

Beispiel Bayern

Über eine einheitliche Bereitschaftsdienstnummer der Kassenärztlichen Vereinigung erhalten Patienten in Bayern medizinische Hilfe, wenn sie außerhalb der Sprechzeiten dringend einen Arzt brauchen. Die Behandlung findet in der Regel in der Praxis des diensthabenden Arztes oder in einer Bereitschaftspraxis statt. Wenn es dem Patienten aufgrund seiner Erkrankung nicht möglich ist, einen Arzt aufzusuchen, vermittelt die Leitstelle auch einen allgemeinärztlichen Hausbesuch.

Auf Antrag können Ärzte aus „schwerwiegenden Gründen“ ganz, teilweise oder vorübergehend vom Bereitschaftsdienst befreit werden. Dies kann der Fall sein, wenn dem Arzt aufgrund besonders belastender familiärer Pflichten die Teilnahme nicht zuzumuten ist.

Werdende Mütter können sich ab dem Zeitpunkt der Bekanntgabe ihrer Schwangerschaft, werdende Väter nach der Geburt des Kindes bis zu 36 Monate nach der Entbindung befreien lassen.

Beispiel Berlin

Ausgesprochen familienfreundlich ist der ärztliche Bereitschaftsdienst in Berlin organisiert: Die Kassenärztliche Vereinigung setzt seit Jahren auf Freiwilligkeit. Rund 300 der etwa 6.500 Vertragsärzte sind regelmäßig im Einsatz, so dass eine generelle Dienstverpflichtung aller Niedergelassenen in der Hauptstadt bisher nicht notwendig war. Lediglich Kinderärzte sind seit kurzem verpflichtet, Dienste in den kinderärztlichen Bereitschaftsdienststellen zu übernehmen.

Die Bereitschaftsdienstärzte besuchen die Patienten zu Hause. Sie haben feste Einsatzzeiten und sind mit Fahrern und Fahrzeugen des ärztlichen Bereitschaftsdienstes unterwegs. Die Aufträge gehen in der Leitstelle der KV ein, werden dort koordiniert und per Funk an die Einsatzwagen weitergeleitet, die in der Stadt unterwegs sind. Die Ärzte können sich somit voll und ganz auf die Versorgung der Patienten konzentrieren.

Zusätzlich zum fahrenden Bereitschaftsdienst gibt es in Berlin Erste-Hilfe-Stellen an Krankenhäusern, in denen auch niedergelassene Ärzte Dienst haben.

Infotipp: