Elternzeit

Niederlassung und Elternzeit

Das Gesetz sieht eine bis zu dreijährige Elternzeit vor. Angestellt Tätige haben damit die Möglichkeit, nach der Geburt ihres Kindes ihr Arbeitsverhältnis mit allen Rechten und Pflichten zeitweise ruhen zu lassen. Sie können sich in diese Zeit voll und ganz um ihren Nachwuchs kümmern und danach wieder ins Arbeitsleben einsteigen.

Doch was machen selbständig tätige Ärzte und Psychotherapeuten? Einfach zu Hause bleiben und die Praxis schließen – das funktioniert nicht. Folgende Lösungen sind möglich:

Vertretung in der Elternzeit

Niedergelassene Ärztinnen haben nach geltendem Recht die Möglichkeit, sich nach der Geburt ihres Kindes bis zu ein Jahr in der eigenen Praxis vertreten zu lassen. Bei Vertretungen, die für mehr als drei Monate erfolgen, muss dies vorher bei der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) beantragt und von ihr genehmigt werden. Für kürzere Zeiten reicht eine entsprechende Mitteilung an die KV.

Anders sieht es bei Vertragspsychotherapeuten aus: Aufgrund der besonders engen Patienten-Therapeuten-Beziehung ist eine Vertretung nicht ohne Weiteres möglich. Laut Bundesmantelvertrag dürfen sie sich bei der Richtlinienpsychotherapie grundsätzlich nicht vertreten lassen.

Es ist jedoch in Einzelfällen, beispielsweise bei längerer Krankheit oder auch bei der Elternzeit, denkbar, dass hier in Absprache mit der regionalen KV eine Lösung gefunden wird und ein anderer Therapeut die Vertretung übernimmt.

Ruhen der Zulassung

Eine Alternative für Ärzte und Psychotherapeuten, die nach der Geburt ihres Kindes länger zu Hause bleiben wollen, kann mitunter das Ruhen der Zulassung sein. Dafür brauchen sie allerdings eine Genehmigung des Zulassungsausschusses. Auch ein hälftiges Ruhen ist möglich: Die Praxis muss dann statt mindestens 20 Sprechstunden pro Woche nur zehn anbieten.

Weitere Entlastungsmöglichkeiten

Für die Erziehung von Kindern sowie für die Pflege von Angehörigen kann ein Arzt – zeitlich befristet – einen sogenannten Entlastungsassistenten in der Praxis beschäftigen. Für die Erziehungszeit kann dieser bis zu 36 Monate in einer Praxis tätig sein. Betreut ein Arzt pflegebedürftige Familienmitglieder, kann der Einsatz eines Entlastungsassistenten über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten erfolgen. Die Genehmigung erteilt die jeweilige Kassenärztliche Vereinigung. Auch das Job-Sharing-Modell, die Teilzulassung oder die Anstellung eines Kollegen können Optionen sein, die Entlastung in der Praxis und mehr Zeit für die Familie bringen.

Die KV Mecklenburg-Vorpommern zahlt Ärztinnen nach der Entbindung acht Wochen ein Mutterschaftsgeld von 50 Euro pro Tag und bietet auf diese Weise Unterstützung bei Praxisausfall.

Infotipp:

 

Flexibilisierung der Vertretungsregelung

Eine Vertretungsregelung während der Elternzeit ist seit dem 1. Januar 2012 über einen län-geren Zeitraum möglich, als zuvor. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat sich beim Gesetzgeber dafür eingesetzt, dass der Zeitraum auf bis zu ein Jahr ausgedehnt wird. Zuvor umfasste eine Vertretungsregelung nur bis zu sechs Monate. Diese Forderung wurde in das Versorgungsstrukturgesetz aufgenommen, das im Januar 2012 in Kraft getreten ist. Auch die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) sind aktiv.

Die KV Bremen zum Beispiel hat die Vertretung im Rahmen einer Sonderregelung flexibilisiert. In der Hansestadt können sich Ärzte über einen Zeitraum von drei Jahren vertreten lassen und ihr Kind betreuen. Im Einzelfall ist es sogar möglich, die Elternzeit noch weiter zu verlängern. Die KV Schleswig-Holstein setzt ebenfalls auf flexible Lösungen. Auch dort können Ärzte nach der Geburt eines Kindes für bis zu drei Jahre einen Vertreter einsetzen.

Förderung für Familien: Elterngeld

Das 2007 von der Bundesregierung eingeführte Elterngeld bietet eine weitere Chance, eine Zeit lang ganz oder teilweise auf die Erwerbstätigkeit zu verzichten, um mehr Zeit für die Kinderbetreuung zu haben. Es wird an Mütter und Väter für maximal 14 Monate gezahlt.

Beide können den Zeitraum frei untereinander aufteilen, wobei ein Elternteil mindestens für zwei und höchstens für zwölf Monate die staatliche Hilfe in Anspruch nehmen kann. Auch wer nach der Geburt des Kindes wieder arbeitet, hat Anspruch auf Elterngeld, wenn die Teilzeittätigkeit nicht mehr als 30 Wochenstunden in Anspruch nimmt.

In der Höhe orientiert sich das Elterngeld am monatlichen Nettoeinkommen, das der betreuende Elternteil im Jahr vor der Geburt erzielt hat. Es beträgt mindestens 300 und höchstens 1.800 Euro. Um den Anspruch des Elterngeldes nachzuweisen, müssen Arbeitnehmer die Gehaltsbescheinigungen der letzten Kalendermonate einreichen.

Bei Selbstständigen sind die Regeln komplexer: Als Einkommensnachweis für das Kalenderjahr vor der Geburt wird zumeist der aktuell vorliegende Steuerbescheid angesehen. Die letzten Monate vor der Geburt werden ggf. nicht mehr berücksichtig. Darüber hinaus können sich Zahlungen, die erst während des Bezugszeitraumes des Elterngeldes eingehen, mindernd auf den Elterngeldanspruch auswirken. Für Selbstständige empfiehlt es sich daher, sich frühzeitig beispielsweise bei der zuständigen Elterngeldstelle oder einem Steuerberater zu informieren.

Wiedereinstiegskurse erleichtern die Rückkehr

Hinter dem etwas sperrig klingenden Namen verbergen sich von den Ärztekammern angebotene Kurse, die den Wiedereinstieg in den Arztberuf nach der Elternzeit erleichtern und aktuelles Wissen aus der und für die Praxis vermitteln.

Infotipp: Auskünfte zu diesen Kursen sowie zu Wiedereinstiegskursen für Medizinische Fachangestellte geben die jeweiligen Landesärztekammern. Auch die Kaiserin-Friedrich-Stiftung für das ärztliche Fortbildungswesen bietet mit Unterstützung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung entsprechende Veranstaltungen an.

Infotipp: