Entlastung in der Praxis

Mehr Zeit für die Familie – aber wie?

Das erste Kind ist unterwegs, der „Große“ kommt in die Schule, die pflegebedürftige Mutter braucht regelmäßig Unterstützung. Familie und Praxis? Geht das? Gerade für Ärzte ist es keine leichte Aufgabe, ihr Familienleben mit ihrem anspruchsvollen Beruf in Einklang zu bringen.

Auch wenn die Rahmenbedingungen noch längst nicht optimal sind, so gibt es für den vertragsärztlichen Bereich inzwischen eine Reihe von Entlastungsmöglichkeiten, die niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten nutzen können.

Vertretung

Vertragsärzte dürfen sich bis zu drei Monate im Jahr genehmigungsfrei vertreten lassen, bei Vorliegen eines Vertretungsgrundes (Urlaub, Krankheit, Teilnahme an ärztlicher Fortbildung oder an einer Wehrübung). Bei einer längeren Vertretung, zum Beispiel wegen der Geburt eines Kindes, ist eine Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) erforderlich. In diesen Fällen ist eine Vertretung bis zu einem Jahr möglich.

Die Vertretung ist der KV mitzuteilen, wenn sie länger als eine Woche dauert. Die Vertretung ist mit dem Vertreter abzusprechen. Möglich ist auch, dass der Arzt für die Zeit der Vertretung einen Vertreter in seiner Praxis beschäftigt.

Entlastungsassistent

Auch die Beschäftigung eines Entlastungsassistenten kommt für Eltern, aber auch für pflegende Angehörige in Betracht. Der Assistent übernimmt zeitlich befristet einen Teil der Aufgaben des Praxisinhabers und unterstützt ihn bei der Patientenversorgung. Für die Erziehungszeit kann ein Arzt bis zu 36 Monate einen Assistenten in seiner Praxis beschäftigen. Betreut er pflegebedürftige Familienmitglieder, kann der Einsatz über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten erfolgen. Die Beschäftigung eines Entlastungsassistenten bedarf der Genehmigung durch die Kassenärztliche Vereinigung.

Anstellung eines Arztes

Wer längere Zeit seine Tätigkeit in der Praxis reduzieren oder einfach nur die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen möchte, kann auch einen Arzt anstellen – Teilzeit oder Vollzeit. Er benötigt dafür einen freien Arztsitz; die Anstellung muss vom Zulassungsausschuss genehmigt werden.

Befreiung vom Not- bzw. Bereitschaftsdienst

Manche Notfalldienstordnungen sehen eine Befreiung vor, wenn Ärzten die Teilnahme aufgrund „besonders belastender familiärer Pflichten“ nicht möglich ist. In Berlin ist die Teilnahme für alle Ärzte, mit Ausnahme der Kinderärzte, sogar freiwillig.

Teilzulassung

Seit einigen Jahren ist auch eine Teilzulassung möglich. Dabei halbiert sich der Versorgungsauftrag von einer vollzeitigen Tätigkeit auf eine hälftige Tätigkeit. Ärzte bzw. Psychotherapeuten, die sich für diesen Weg entscheiden, brauchen nur die Hälfte der Sprechstunden anzubieten wie Kollegen mit einer vollen Zulassung – also mindestens zehn statt 20 Stunden die Woche.

(Hälftiges) Ruhen der Zulassung

Eine andere Möglichkeit ist das befristete Ruhen der Zulassung, das auch auf die Hälfte des Versorgungsauftrags beschränkt werden kann. Während dieser Zeit können allerdings keine beziehungsweise nur „in einem hälftigen Umfang“ vertragsärztliche Leistungen erbracht und abgerechnet werden.

Hinweis: Welches Modell im Einzelfall infrage kommt, hängt immer auch von den persönlichen Umständen und Wünschen ab. Ärzte und Psychotherapeuten sollten auf jeden Fall Kontakt zu ihrer Kassenärztlichen Vereinigung aufnehmen. Die Berater dort sind bei der Suche nachder passenden Lösung behilflich.
Infotipp: