Selbständige

Arbeitszeit von Selbstständigen: Von der Sprechstunde bis zum Bereitschaftsdienst

Wenn das Wartezimmer zum Ende der Sprechstunde noch voll ist oder der Arzt zu einem dringenden Hausbesuch gerufen wird, muss die Familie warten. Solche „Notfälle“ gehören zum Praxisalltag. Und dennoch bietet die Niederlassung gerade für Ärzte mit betreuungspflichtigen Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen einen unschätzbaren Vorteil: Sie können ihre Arbeitszeit relativ flexibel gestalten und ihr Zeitmanagement der jeweiligen Lebensphase anpassen.

Nachfolgend sind die wichtigsten Tätigkeitsbereiche und Regelungen dargestellt, die Einfluss auf die ärztliche Arbeitszeit haben.

Mindestens 20 Sprechstunden wöchentlich

Mit der Zulassung übernehmen Vertragsärzte einen Versorgungsauftrag. Dieser verpflichtet sie, wöchentlich mindestens 20 Stunden für ihre Patienten in der Praxis zur Verfügung zu stehen. Bei Ärzten mit einer Teilzulassung verringert sich diese Zahl der Sprechstunden auf zehn Stunden. Die Sprechstunden sind möglichst so zu legen, dass auch die Bedürfnisse der Patienten berücksichtigt werden, und sie sind auf dem Praxisschild anzugeben.

Tipp: Trotz dieser Regelungen ist der Vertragsarzt relativ frei, was das Festlegen seiner Sprechstunden betrifft. Er selbst bestimmt, ob er bereits um 7.00 Uhr den ersten Patienten behandelt oder erst um 9.00 Uhr, weil er vor der Arbeit zum Beispiel noch seine Kinder in die Kindertagesstätte bringt. Auch ein freier Tag in der Woche ist durchaus möglich.

Hausbesuche, Schreibkram etc.

Nach der Sprechstunde geht es in aller Regel weiter. Hausbesuche stehen an, und auch diverse Verwaltungsaufgaben wie die Beantwortung von Kassenanfragen und die Dokumentation der Befunde, Behandlungsmaßnahmen und veranlassten Leistungen müssen erledigt werden.

Hausbesuchsregelung: Die Besuchsbehandlung ist in erster Linie Aufgabe des behandelnden Hausarztes. Aber auch Fachärzte, beispielsweise Hautärzte und Neurologen, sind verpflichtet, Hausbesuche durchzuführen, wenn sie zur konsiliarischen Beratung hinzugezogen werden oder bei ihren eigenen Patienten wegen einer Erkrankung aus ihrem Fachgebiet ein Hausbesuch notwendig wird.

Tipp: Abgesehen von dringenden Hausbesuchen entscheidet der Arzt in der Regel selbst, wann er welche Arbeiten ausführt. So kann er zum Bespiel bestimmte Verwaltungsaufgaben, sofern sie nicht delegierbar sind, abends zu Hause erledigen, wenn die Kinder bereits im Bett sind. Für Hausbesuche plant er feste Zeiten ein, beispielsweise immer Mittwoch- und Freitagnachmittag.

Ärztlicher Not- bzw. Bereitschaftsdienst

Vertragsärzte sind grundsätzlich verpflichtet, am ärztlichen Not- bzw. Bereitschaftsdienst teilzunehmen. Der Bereitschaftsdienst wird von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) organisiert, um die ambulante Behandlung der Patienten auch zu sprechstundenarmen und -freien Zeiten wie nachts und am Wochenende sicherzustellen.

Tipp: Die Regelungen zur Teilnahme am Bereitschaftsdienst sind von KV zu KV zum Teil recht unterschiedlich. Manchenorts ist die Teilnahme sogar freiwillig. Ärzte sollten deshalb bei ihrer Kassenärztlichen Vereinigung nachfragen, welche Möglichkeiten der Entlastung es gibt.

Fortbildung

Bei einer „sauberen“ Arbeitszeitplanung darf die Zeit für Fortbildung nicht vergessen werden. Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten sind gesetzlich verpflichtet, ihr Wissen regelmäßig auf den neuesten wissenschaftlichen Stand zu bringen.

Alle fünf Jahre müssen sie dies gegenüber ihrer Kassenärztlichen Vereinigung nachweisen, dass sie sich fortgebildet haben. Anerkannt werden nur Veranstaltungen, die von einer Landesärztekammer zertifiziert und mit Punkten bewertet ist. 250 Punkte müssen Ärzte und Therapeuten innerhalb von fünf Jahren sammeln.

Tipp: Der geforderte Fortbildungsumfang ist nicht gering, zumal viele Veranstaltungen in den Abendstunden oder am Wochenende stattfinden. In der Regel lassen sich solche Termine aber gut planen. Hinzu kommt, dass das Fortbildungsangebot riesig ist.

Dadurch haben auch Ärzte mit weniger Zeit die Möglichkeit, das Passende zum richtigen Termin zu finden. Eine Erleichterung stellen auch Online-Fortbildungen dar, die zu jeder Zeit von zu Hause aus „besucht“ werden können. So hat das Deutsche Ärzteblatt regelmäßig Fortbildungen zu unterschiedlichen medizinischen Themen in seinem Heft, die zertifiziert sind und bei denen die Fragen online beantwortet werden.