„Eine eigene Praxis bietet viel mehr Freiräume als eine Anstellung im Krankenhaus.“

Dr. Annette Rommel (51)
Fachärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapie, Mechterstädt (Thüringen),
führt eine Einzelpraxis in der sie Ärztinnen ausbildet.

Als Annette Rommel vor 20 Jahren ihre Einzelpraxis gründete waren ihre beiden Kinder gerade ein und fünf Jahre alt. „Es war nicht immer ganz einfach, als junge Ärztin und Mutter Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, doch es hat dank eines guten Zeitmanagements geklappt“, resümiert die Hausärztin. Sie würde den Schritt in die Niederlassung immer wieder wagen und empfiehlt ihn deshalb ihren jungen Kollegen.

Karrierechancen auf dem Land

Heute unterstützt die gebürtige Thüringerin den Nachwuchs beim Start ins Berufsleben. In ihrer Praxis für Allgemeinmedizin und Psychotherapie in dem gut 1.000 Einwohner zählenden Mechterstädt bietet sie angehenden Ärztinnen die Möglichkeit zur Facharztweiterbildung.

Zudem absolvieren bei ihr regelmäßig Medizinstudierende ihr Wahltertial im Praktischen Jahr. Annette Rommels Ziel ist, künftig noch weitere Ärzte in ihrer Praxis zu beschäftigen.

Ihr ist es dabei wichtig, die Allgemeinmedizin und die Niederlassung vor allem in ländlichen Regionen für Nachwuchsmediziner attraktiv zu machen. „Ich finde schade, dass sich so wenig junge Mediziner für eine Praxis auf dem Land interessieren, bedauert Annette Rommel.

„Auch die Lebensqualität auf dem Land bietet insbesondere für junge Familien mehr als man denkt“, kann sie bestätigen.

Landarztpraxis und Familie kein Widerspruch

Die Angst, gerade als Landarzt zu wenig Zeit für private Dinge zu haben, will sie ihren jungen Beschäftigten nehmen. „Auf dem Land gibt es viele erfolgreiche und zufriedene Ärztinnen, die meist auch mehrere Kinder haben. Diese Herausforderung ist zu meistern. Man kann eine große Praxis führen und hat trotzdem ein Privatleben.“

Was für viele wie ein Widerspruch klingt, ist für sie auch eine Frage des Zeitmanagements. „Eine eigene Praxis bietet viel mehr Freiräume als eine Anstellung im Krankenhaus, wo die Arbeitszeiten weit weniger flexibel sind.“

Einen großen Vorteil sieht sie für sich etwa in der hohen Flexibilität der Sprechstunden. „Die kann ich selbst festlegen und dabei – so weit es geht – auch die Interessen meine Praxisteams berücksichtigen.“

Ein verständnisvolles Praxisteam ist das A und O

Zu ihrem Praxispersonal zählen zwei Medizinische Fachangestellte. Beide sind in Vollzeit tätig, obwohl sie Mütter kleiner Kinder sind. Zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie setzt die Allgemeinmedizinerin auf ein verständnisvolles Praxisteam.

Ihre Angestellten springen gegenseitig für einander ein, wenn es zeitliche Probleme gibt oder bestimmte Aufgaben wie Blutabnehmen von Schwangeren nicht mehr erledigt werden dürfen.

Kinderbetreuung und engagierte Lebenspartner wichtig

Ebenso wichtig wie ein funktionierendes Team sei eine Kinderbetreuung. Die Betreuungszeiten sind in ländlichen Regionen der neuen Bundesländer oft flexibel. „Dadurch, dass man sich persönlich kennt, ist die Kindergärtnerin in Ausnahmefällen auch schon mal länger für die Kinder da als regulär“, weiß Rommel.

Letztlich seien aber auch engagierte Lebenspartner nötig, wenn es darum geht, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren.

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