„Man darf sich nicht verrückt machen lassen“

Dr. Nora Dannigkeit (35)
Psychologische Psychotherapeutin mit eigener Praxis, Berlin,
ließ Zulassung während Babypause ruhen.

Nora Dannigkeit betreibt zusammen mit drei Kolleginnen eine Praxisgemeinschaft in Berlin. In der Altbauwohnung hat jede der vier ein eigenes Behandlungszimmer. Das spare Miete und ermögliche außerdem einen engen fachlichen Austausch, findet die Verhaltenstherapeutin.

2007 machte sie sich selbstständig. Zuvor hatte sie an einer Klinik gearbeitet. „Mir war immer klar, dass ich mal Kinder haben wollte. Neben den fachlichen Aspekten war auch das für mich ein Grund für die Niederlassung. Als Selbstständige habe ich die einzigartige Möglichkeit, nach der Elternzeit schrittweise wieder einzusteigen und das Tempo dabei selbst zu bestimmen.

Außerdem weiß ich, dass mein Arbeitsplatz sicher ist. Ich muss keine Angst haben, dass ein befristeter Arbeitsvertrag einfach aufgrund der Schwangerschaft nicht verlängert wird. Ich weiß, mein Kassensitz bleibt mir erhalten. Das finde ich toll“, sagt sie.

Auch hälftiges Ruhen der Zulassung möglich

Als sich 2009 herausstellte, dass sie Zwillinge bekommen würde, war ihr schnell klar, dass sie ihren ursprünglichen Plan, zügig wieder in die Praxis zurückzukehren, nicht würde einhalten können.

„Erst wollte ich mir eine Entlastungsassistenz suchen, die für ein Jahr komplett meine Patienten versorgt. Dann habe ich von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin erfahren, dass das nur geht, wenn ich selbst nicht ganz aussteige, sondern wenigstens ein paar Patienten weiter behandle. Als Ausweg hat mir die KV empfohlen, einfach meine Zulassung ruhen zu lassen.“

Das ist zeitlich befristet möglich. Ein Jahr nach der Geburt hat Nora Dannigkeit wieder angefangen zu arbeiten, ihre Zulassung aber zur Hälfte weiter ruhen lassen. So hat die Psychotherapeutin trotz Arbeit noch Zeit, sich um ihre Kinder zu kümmern. Nach und nach will sie ihre Patientenzahlen erhöhen, um dann wieder den vollen Versorgungsauftrag wahrzunehmen.

„Man darf sich nicht verrückt machen lassen“

Diese Flexibilität ist es, die Nora Dannigkeit besonders an der Selbstständigkeit schätzt. Weniger glücklich ist sie mit der Regelung zum Elterngeld:

„Dadurch, dass ich die Zulassung habe ruhen lassen, hatte ich ein Jahr lang kein Einkommen. An dessen Stelle soll ja eigentlich das Elterngeld treten. Ich war davon ausgegangen, dass die Berechnung genau so läuft wie bei einer Angestellten, dass also das Einkommen der letzten zwölf Monate vor der Entbindung zählt.“

Tatsächlich dient aber der letzte Steuerbescheid als Bezugsgröße. Das kann für einen Niedergelassenen gerade in der Anfangszeit von Nachteil sein, hat die Psychotherapeutin festgestellt.

„Die besonderen Rahmenbedingungen bei jemandem, der sich gerade niedergelassen hat, wie Investitionen und zeitversetzte Honorarzahlungen, werden nicht berücksichtigt. Besser wäre es, die zwölf Monate vor der Entbindung als Berechnungsgrundlage zu nehmen und dann das Nettoeinkommen zu schätzen“, fordert die Therapeutin.

Letztendlich habe ihr die KV geholfen, eine gangbare Lösung zu finden. Nora Dannigkeits Fazit: „Man darf sich nicht verrückt machen lassen. Ich rate, viele Fragen zu stellen und sich möglichst gut zu vernetzen. Ich bereue jedenfalls keinen Tag, dass ich mich niedergelassen habe.“

Dieser Beitrag wurde unter Selbstständigkeit abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu „Man darf sich nicht verrückt machen lassen“

  1. R. Brecht sagt:

    Sehr geehrte Frau Dannigkeit,

    vielen Dank für Ihren Artikel. Wenn Veränderung ansteht, betrifft das meist den privaten und beruflichen Bereich zugleich. Als Niedergelassener muss man sich den neuen Aufgaben anpassen. Ich finde Ihr Motto „Man darf sich nicht verrückt machen lassen.“ sehr gut.

    Alles Gute

    Reinhold Brecht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.