„Ohne Organisationstalent und Spontaneität geht es nicht“

Susanne Gröper (49)
Anästhesistin
in einer Bremer Gemeinschaftspraxis,
teilt sich die Zulassung mit einer Kollegin.

„Mama ist auf dem Handy zu erreichen“, teilt die Kinderstimme am Telefon mit. Der darauffolgende Anruf erreicht sie im Auto. Susanne Gröper ist viel unterwegs. Sie arbeitet in einer Praxis in der Stadt, lebt mit ihrer Familie auf dem Land und managt den eigenen Terminkalender und den ihrer drei Kinder zwischen Schule, Fußballtraining und dergleichen mehr. „Ohne Organisationstalent, hohe Flexibilität und Spontaneität geht es nicht“, sagt sie.

Susanne Gröper arbeitet zusammen mit ihrem Mann in einer Gemeinschaftspraxis für Anästhesie in Bremen. 1998 haben die beiden sich niedergelassen, kurz danach wurde das erste Kind geboren. Die anderen beiden folgten jeweils im Abstand von zwei Jahren.

„Bis die Kinder drei, vier Jahre alt waren, habe ich sie alleine betreut. Als sie in den Kindergarten kamen, bin ich vormittags wieder arbeiten gegangen“, berichtet die Fachärztin.

Dass die Kassenärztliche Vereinigung Bremen vor kurzem eine dreijährige Elternzeit für Vertragsärzte und -psychotherapeuten eingeführt hat, findet Susanne Gröper gut: „‚Guck mal, geht doch‘, habe ich gedacht. Leider konnte ich davon nicht mehr profitieren.“

Zwei Mütter, ein Praxissitz

Ihre jetzige Praxis betreiben Susanne Gröper und ihr Mann seit 2007, zusammen mit vier weiteren Kollegen. Während er Vollzeit arbeitet, teilt sie sich die Zulassung mit einer Kollegin, die ebenfalls Kinder hat.

„Wir sind also eine Praxis, in der sechs Ärzte mit fünf Sitzen arbeiten“, erklärt sie. Die Chance einer Teilzulassung hat sie gern ergriffen: „Gerade für Frauen ist das ideal. Ich hätte mir das schon früher gewünscht, als meine Kinder noch kleiner waren.“

Beide Ärztinnen arbeiten jeweils an zwei festen Tagen in der Woche. „Das klappt eigentlich gut. Zur Not tauschen wir auch mal einen Tag. Das regeln wir dann untereinander“, sagt die Anästhesistin. Sie hätte auch gerne halbtags gearbeitet, aber das sei in einer Praxis wie der ihren kaum möglich:

„Wenn Operationen anstehen, ist es schwierig, sich ablösen zu lassen.“ Hinzu komme, dass man sich in einer Niederlassung immer noch um zusätzliche Dinge kümmern müsse.

„Als Selbstständiger muss man auch viel Organisatorisches erledigen, etwa die ganze Verwaltungsarbeit. Zudem machen wir gerade Qualitätsmanagement. Da nehme ich oft Arbeit mit nach Hause. Insofern habe ich auch an ‚freien’ Tagen nicht immer frei. Andererseits schätze ich die Freiheit, die man als Niedergelassener im Vergleich zum Krankenhaus hat: Nacht- und Wochenenddienste fallen weg, ich bin mein eigener Chef. Man muss abwägen, was einem lieber ist.“

Anfangs sei es nicht immer einfach gewesen, den operativ tätigen Kollegen klar zu machen, dass sie erst um halb neun statt um acht Uhr anfangen kann, weil sie zuvor die Kinder in die Schule bringt.

„Das ist etwas lächerlich, dass man da wegen einer halben Stunde argumentieren muss. Natürlich muss man Zeit für die Praxis haben, aber ich will mich eben auch um die Familie kümmern. Wenn wir abends noch Besprechungen haben, sage ich schon mal ‚So, ich muss jetzt gehen.’ Da habe ich inzwischen ein dickes Fell.“

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Ein Kommentar zu „Ohne Organisationstalent und Spontaneität geht es nicht“

  1. Dr. Gorch Stegen sagt:

    Organisationstalent und Spontaneität sind gut, aber nicht eine unbedingte Voraussetzung !

    Gerade in größeren Berufsausübungsgemeinschaften wird es fast nie vorkommen, dass ein „Neuer“ ins kalte Wasser geworfen wird.
    Es bestehen immer langjährig bewährte Organisationsstrukturen. Das zeigt sich in den Arbeitsabläufen, der Patientenverwaltung, der Abrechnung, dem Einkauf und der Personalverwaltung.
    In einem weitestgehend gesperrten Bundesland wie S-H kommt ein neuer Arzt für einen ausscheidenden. Es empfiehlt sich immer, zuerst die bisherigen – guten – Abläufe anzunehmen, zu erlernen und zu verinnerlichen. Dann ist man „eingearbeitet“.
    Danach kann man in allen Bereichen versuchen seine eigenen neuen und sicherlich oft besseren Ideen stufenweise in die Arbeitsrealität umzusetzen. Dabei zahlen sich Kreativität, Organisationstalent und eventuell auch Spontaneität sicherlich aus.
    Wer möchte diese Eigenschaften nicht einbringen ? Dafür bin ich doch letztendlich auch Freiberufler, also Selbständiger Arzt geworden.

    Dr. Gorch Stegen
    Arzt für Innere Medizin – Gastroenterologische Untersuchungen
    MDZ-Dietrichsdorf
    Praxisgemeinschaft mit drei Ärzten

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