„Die Einzelkämpfer sterben aus“

Katrin Berger (39)
Hausärztin in Gemeinschaftspraxis, Schleswig,

werdende Mutter.

Katrin Berger ist Hausärztin aus Leidenschaft. „Anders als im Krankenhaus arbeite ich hier nicht nur nach starren Schemata, sondern habe es mit einer Vielfalt von Patienten und Problemen zu tun. Außerdem muss ich nicht immer nur delegieren, sondern kann das meiste selbst machen“, erzählt sie.

Gemeinsam mit ihrer Mutter, ebenfalls Ärztin, wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit. Mittlerweile führen sie ihre Gemeinschaftspraxis mit einem weiteren Kollegen. „Wir behandeln vor allem Arbeitslose, Multimorbide, Rentner, geistig und körperlich Behinderte – und zwar gerne!“, sagt Katrin Berger.

Bei so viel Herzblut für ihre Arbeit waren Kinder für sie lange kein Thema: „Ich dachte: ‚Jetzt machst du erstmal das mit der Praxis, die Gelegenheit kommt nicht wieder. Aber mit Ende dreißig kam der Kinderwunsch dann doch.“ Trotzdem war für sie klar, dass sie schnell wieder arbeiten will.

„Mein Partner ist Lehrer und war gern bereit, in Elternzeit zu gehen und mehr Verantwortung zu übernehmen, damit ich früh in meinen Job zurück kann. Das hilft natürlich.“

„Es ist planbarer als man denkt“

Mögliche Ausfallzeiten haben die drei selbstständigen Ärzte in einem Praxisvertrag geregelt. Demnach übernehmen in den ersten vier Wochen die Kollegen die Vertretung. Danach muss Katrin Berger ihnen entweder die vereinbarte Vertretungspauschale zahlen oder einen externen Vertreter anstellen.

Einen solchen hat sie für zwei Monate engagiert. Etwa zehn Wochen nach der Geburt möchte sie wieder einsteigen. Die ersten drei bis vier Wochen will sie halbtags arbeiten und sich mit ihrem Partner bei der Betreuung des Kindes abwechseln. Beruf und Familie zu vereinbaren, wird für sie auch mit einer eigenen Praxis kein Problem darstellen, so hofft sie:

„Es ist vieles planbarer als man denkt. Die alte Vorstellung, dass man 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche ständig verfügbar sein muss, stimmt nicht.“ Für sie ist die Gemeinschaftspraxis die ideale Lösung: „Wir haben klare Sprechzeiten, so dass man mittags geregelt fertig ist.

Für Notfälle in der Mittagspause oder am Wochenende stehen wir abwechselnd zur Verfügung. Nachts ist der Notdienst der Kassenärztlichen Vereinigung da, so dass vor acht Uhr morgens keiner raus muss.“ Und wenn sie selbst Bereitschaftsdienst hat? Auch das sieht Katrin Berger gelassen: „Ich habe fünf Jahre gerne Notdienste gefahren. Wir haben offiziell eine Freistellung für Schwangere und junge Mütter. Die werde ich erst einmal nutzen.“

Gemeinsam lässt sich vieles einfacher regeln

Das Arbeitszeitmanagement funktioniert in der Praxis von Katrin Berger auch ohne Terminvergabe – eine solche sei bei ihren Patienten ohnehin kaum möglich. Jeder der Ärzte hat einen Tag in der Woche, für den er Termine vergibt. Der Rest der Patienten kommt, wann er kommt.

„Weil wir zu dritt sind, reguliert sich das von selbst. Einer kann immer zu einer festen Zeit gehen, die Kollegen übernehmen den Rest. Sollte ich beim Wiedereinstieg feststellen, dass ich es in Vollzeit doch nicht schaffe, habe ich die Möglichkeit, meine Sprechstunden pro Woche zu reduzieren.

Dann wird einfach meine prozentuale Beteiligung für das Jahr gekürzt. Das lässt sich relativ unbürokratisch regeln. Voraussetzung ist natürlich, dass man sich mit seinen Kollegen gut versteht. Die Einzelkämpfer sterben aus.“ Auch die Kooperation mit anderen Praxen kann da helfen:

„Wir könnten in unserem Praxisnetz überlegen, ob wir nicht Geld zusammenlegen und uns eine Tagesmutter leisten, die einspringt, wenn Kinder einmal krank sind.“

Dieser Beitrag wurde unter Selbstständigkeit abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu „Die Einzelkämpfer sterben aus“

  1. Dr Fligge sagt:

    Liebe Kaki-Herzlichen Glöueckwunsch ! Deine Uli

  2. Dr. Gorch Stegen sagt:

    Einzelpraxen werden nicht aussterben !

    Eine Einzelpraxis kann sicherlich weiterhin wirtschaftlich und zugleich zeitlich erfolgreich geführt werden.
    Voraussetzung ist ein umschriebenes Einzugsgebiet, um einen festen Patientenstamm zu haben. Das garantiert hohe Kontingente (derzeit RLV/QZV genannt). Diese müssen dann mit Arbeitsleistung erarbeitet oder abgearbeitet werden.
    Dafür ist eine strenge Urlaubs- und Fortbildungsplanung unerlässlich. Jeweils zwei Wochen pro Quartal die Praxis zu schließen – insbesondere wenn die Abwesenheit eine Woche nicht überschreitet – überlastet keine Arzt-Patientenbeziehung. Ein zusätzlicher Vorteil ist die gleichzeitige Urlaubszeit der Helferinnen. Das verlangt zwar Strenge, aber eine gemeinsame Urlaubsplanung mit Arzt und Helferinnen wird dabei helfen.
    Ein besonderer Nachteil einer Einzelpraxis ist die längere Erkrankung des Arztes. Diese kann dann nur von einem auswärtigen Vertreter aufgefangen werden. Der jedoch wird in der Vertretungssituation „ins kalte Wasser“ geworfen.
    Die tägliche Arbeitszeit muss nicht 8 Stunden überschreiten. Längere Mittagspausen für eine Spätsprechstunde und das schleswigholsteinweit gut funktionierende ärztliche Notdienstsystem erlauben freie Nachmittage mittwochs, freitags und freie Wochenenden.
    Wer motiviert 40 Stunden in der Woche arbeitet und sich mit diesen vorhandenen Möglichkeiten von seiner Arbeit für die verdiente Freizeit abgrenzt, wird auch bei den Patienten auf Verständnis stoßen.
    Eine Absprache zur gegenseitigen Vertretung mit umliegenden Einzelpraxen wird zu einer win-win-Situation führen. Mehr Freizeit, mehr Patiententreue und mehr Patienten (Vertretungen) schaffen höhere Kontingente für das Folgejahr (RLV).

    Resumée: Wer gesund und bleibt, gut organisiert ist und einen festen Patientenstamm in einem umschriebenen Gebiet betreut, der kann auch gut eine Einzelpraxis jetzt und in Zukunft führen.

    Dr. Gorch Stegen
    Facharzt für innere Medizin in Job-Sharing-Gemeinschaft
    …aber in Praxisgemeinschaft mit einer hausärztlichen Einzelkämpferin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.