Ein Standort statt zwei

Dr. Philipp Ascher, Facharzt für Innere Medizin in Oberhaching (Bayern), und seine Frau Kathrin Ascher, Allgemeinmedizinern, haben ihre Praxen zusammengelegt, um mehr Zeit für die beiden Kinder zu haben.

Eigentlich hat das Zwei-Praxen-Modell von Dr. Philipp Ascher und seiner Frau Katrin mit zwei kleinen Kindern gut funktioniert. Von einem älteren Ärzteehepaar planten die beiden 2005 deren Einzelpraxen zu übernehmen – er die Praxis in Oberhaching, sie in Taufkirchen.

Dr. Philipp Ascher hatte seinen Facharzt für Innere Medizin bereits in der Tasche und stieg sofort als Job-Sharing-Partner ein. Seine Frau musste – bedingt durch die erste Schwangerschaft – die Weiterbildung im Krankenhaus unterbrechen. In den Praxen des älteren Ärzteehepaars konnte sie zunächst in Vollzeit ihre Weiterbildung zur Allgemeinmedizinerin absolvieren. Dann wechselte auch sie ins Job-Sharing, bevor sie die Praxis in Taufkirchen 2008 komplett übernahm. Zusätzliche Freiräume für die Kinder sicherte eine Entlastungsassistentin.

Die Kinderbetreuung klappt – zunächst

Alles lief gut. Die zwei kleinen Kinder waren vormittags erst bei einer Tagesmutter, dann in Kinderkrippe und Kindergarten. Montags und dienstags betreute sie die Großmutter am Nachmittag. „Alles war perfekt organisiert, doch so ein Modell hält eben nur, solange alle beteiligten Glieder intakt sind“, erzählt der 42-Jährige.

Ende 2009 wird die Großmutter schwer krank, die Kinderbetreuung muss improvisiert werden. „So richtig gut ist uns das nicht gelungen, die Zeit war sehr stressig und nervenaufreibend.“ Das Ehepaar probiert verschiedene Betreuungsvarianten für den Nachmittag aus, wobei immer schon vorher feststeht, dass keine dieser Lösungen von Dauer sein wird – für die beiden Mediziner eine große emotionale Belastung.

Schicksalsschlag in der Familie – Probleme in der Praxis

Unter diesem Spannungsfeld leidet die Arbeit. Vor allem für die Praxis in Taufkirchen entstehen Unsicherheiten über die künftige Entwicklung. Als die Großmutter Anfang 2010 stirbt, ist das für die Aschers eine Zäsur. „Wir mussten völlig umdenken.“ Lange bleibt die Betreuungssituation der Kinder nun suboptimal.

„Weder beruflich, noch privat war die Situation auf Dauer tragbar. Und in der Praxis machten sich der Zeitdruck bei Untersuchungen oder abgesagte Hausbesuche negativ bemerkbar.“ Als auch die Entlastungsassistentin kündigt, wird die Entscheidung, einen Standort vorrangig zu stabilisieren, unausweichlich.

Das Ehepaar entschließt sich, beide Praxen in Oberhaching zusammenzulegen. Zudem keimte die Idee auf, durch einen zusätzlichen Arzt die Flexibilität zu erhöhen, insbesondere in Hinblick auf die Ferienzeiten der schulpflichtig werdenden Kinder.

Das Ehepaar übernimmt die Praxis einer älteren Ärztin

„Ende 2010 erfuhr ich dann, dass in unmittelbarer Nachbarschaft eine ältere Ärztin einen Nachfolger suchte“, sagt der 42-Jährige. „Da in der Region eine sehr große Nachfrage nach Anstellungsmöglichkeiten in Praxen besteht, bot sich durch die Neuerung des Vertragsarztrechtsänderungsgesetzes an, eine weitere Zulassung zu übernehmen und im Anstellungsverhältnis zu besetzen.“

Der Plan wird rasch umgesetzt: Die dritte Zulassung wird am 1. Januar 2011 übernommen und zunächst die beiden Oberhachinger Praxen zusammengelegt. Die Altinhaberin der Praxis wechselt ins Anstellungsverhältnis.

Schon zum 1. April 2011 ist die neue Partnerin Dr. Irene Gollreiter-Braunfels – selbst Mutter von drei Schulkindern – gefunden. Die Altinhaberin verabschiedet sich nun in den Ruhestand. „Am 1. Juli 2011 haben wir die Praxis meiner Frau verlagert. Der Standort Taufkirchen war somit aufgelöst.“

Mehr Zeit für die Kinder

Seitdem hat sich für die Arztfamilie einiges positiv verändert. Dr. Philipp Ascher erzählt: „Meine Frau hat jetzt die Nachmittage frei. Vormittags sind die Kinder – mittlerweile fünf und acht Jahre alt – im Kindergarten und in der Schule mit Mittagsbetreuung. An die Sprechstunde schließen sich Hausbesuche an, einer von uns beiden kann aber immer rechtzeitig bei den Kindern sein. Der zeitliche Tätigkeitsumfang meiner Frau hat sich deutlich reduziert, von Praxisverwaltung und Bürokratie ist sie fast völlig freigestellt.“

Der 42-Jährige sagt lächelnd: „Für mich hat das so gesehen den Nachteil, dass ich jetzt die betriebswirtschaftliche Verantwortung für drei Praxen übernehmen darf.“ An zwei Nachmittagen – mittwochs und freitags – versuchen sich die Aschers weitgehend für die Familie frei zu halten. Die Bereitschaftsdienste teilen sie sich auf, so muss jeder von ihnen am Wochenende nur einen Tag machen. „Hier hat unser Modell einen kleinen Haken: Eine Dienstbesetzung mit angestelltem Facharzt trägt sich finanziell nicht, zudem fehlt die Kollegin dann tagsüber in der Praxis. Somit müssen die zusätzlichen Dienste der dritten Zulassung selbst gefahren werden.“

Mit der eher wieder klassischen Aufgabenverteilung sind Philipp und Katrin Ascher rundum zufrieden. „So ist die Situation sowohl in der Praxis mit drei vollen Versorgungsaufträgen als auch in der Familie für uns wieder stabiler. Das mit der Work-Life-Balance hat vorher nicht mehr gepasst. Wir waren ganz klar an unserer Belastungsgrenze. 2011 war anstrengend und nervenaufreibend.“ Und auch die KVB hat den Aschers das Ärzteleben während der Zeit der Praxisumorganisation nicht unbedingt leichter gemacht.

Stolpersteine der KVB

Für die Praxiszusammenlegung fehlte der Antrag auf Übernahme des Regelleistungsvolumens (RLV) der alten Praxis. Erst kurz vor der Sitzung des Zulassungssausschusses wies eine Mitarbeiterin des Zulassungsausschusses auf den fehlenden Antrag hin. „Wir hätten sonst einen Zulassungsbeschluss erworben, aber kein RLV. Unser neues Modell war ganz offensichtlich in der Verwaltung nicht hinreichend bekannt.“

Auch bei den Abschlagszahlungen gab es Probleme. Als die alteingesessene Kollegin am 1. Januar 2011 ins Angestelltenverhältnis wechselte, die Praxis also nach außen hin mit denselben Ärzten besetzt blieb, wurden die Abschlagszahlungen der alten Praxisinhaberin ohne Vorwarnung auf null gesetzt. „Bis zur Restzahlung mussten wir den Anteil der Altpraxis vorfinanzieren. Dasselbe passierte auch noch einmal bei der Verlegung des Praxissitzes meiner Frau, sodass wir 2011 ein nicht einkalkuliertes Finanzloch stopfen mussten. Eine rechtzeitige Information durch die KV wäre sehr wünschenswert gewesen“, sagt Ascher.

Familie kann sich mehr Urlaub gönnen

Doch auch diese Krise ist mittlerweile erfolgreich überstanden. Mit ihrer angestellten Kollegin Dr. Irene Gollreiter-Braunfels haben die Aschers das große Los gezogen. „Sie kann die Praxis auch alleine führen, sodass wir uns als Familie leichter und öfter Urlaub gönnen und die Früchte unserer Arbeit genießen können.“

(Dieser Beitrag ist im Magazin KVB Forum 3/2013 der kassenärztlichen Vereinigung Bayerns erschienen.)

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