„Ein großer logistischer Aufwand, der sich lohnt und sehr schön ist!“

Dr. Ursula Gaisbauer-Riedl, (47)
Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin
in einer Gemeinschaftspraxis in Simbach (Bayern)

Dr. Ursula Gaisbauer-Riedl liebt ihre Mutterrolle, genauso wie sie ihren Beruf liebt. Weder auf das eine noch auf das andere möchte sie verzichten. Zum Glück muss die Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin das auch nicht: Nicht nur, dass sich ihre Praxis und ihre Wohnung in einem Gebäude befinden, sodass sie im Notfall schnell von der einen in die andere Welt wechseln kann. Sie kann sich auch voll und ganz darauf verlassen, dass die Gemeinschaftspraxis, die sie seit 1999 zusammen mit ihrem Bruder im bayerischen Simbach betreibt, bei ihm während ihrer Abwesenheit in den besten Händen ist.

Weiterbildungsassistent gesucht

Doch dafür mussten zunächst einige Voraussetzungen geschaffen werden. Denn ganz allein war der Praxisbetrieb für Dr. Stephan Gaisbauer während der Elternzeit seiner Schwester nicht zu stemmen. „Gleich als ich schwanger wurde, haben wir uns bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns über die verschiedenen Vertretungsmöglichkeiten informiert, denn es war klar, dass mein Bruder bei unserem Patientenaufkommen unbedingt Unterstützung braucht.“ Die Gaisbauers entscheiden sich, einen Weiterbildungsassistenten einzustellen, was sich auf dem Land als schwieriges Unterfangen erweist. Erst kurz vor der Geburt ihrer Tochter tritt ein junger Assistenzarzt aus der nahegelegenen Kinderklinik seinen Dienst an. Ursula Gaisbauer-Riedl hat genau eine Woche Zeit, um ihn einzuarbeiten.

Schrittweise zurück in die Praxis

Rückblickend meint sie, dass diese Lösung für alle Beteiligten gut funktioniert hat. So kann die frischgebackene Mutter die ersten sechs Monate nach der Geburt unbesorgt zu Hause bei ihrem Kind bleiben. Danach steigt sie langsam – zwei bis drei Tage pro Woche – wieder in den Praxisbetrieb ein. Dafür nimmt sich ihr Mann drei Monate Eltern(aus-)zeit. Inzwischen steht Dr. Ursula Gaisbauer-Riedl wieder dreieinhalb bis vier Tage pro Woche in der Praxis. Mittwochs allerdings nicht – da ist Franziska-Tag. Ihr Mann, Wirtschaftsinformatiker beim Landratsamt Passau, hat nach seiner dreimonatigen Elternzeit seine Fünf-Tage-Woche dauerhaft um zwei Tage reduziert. Für die Zeiten, die die Eltern nicht abdecken können, kommt eine Kinderfrau ins Haus. So kann Franziska in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Und im Notfall ist ihre Mutter in der Praxis ja nur eine Tür weit entfernt. Was sich so einfach anhört, ist trotz allem eine logistische Meisterleistung, zumal die Mutter der Ärztin an Demenz erkrankt ist und ebenfalls zu Hause betreut werden muss. Zwischendurch musste auch noch ein neuer Weiterbildungsassistent gesucht werden. Monate vergingen, bis eine junge Ärztin gefunden war.

Im September kommt Franziska nun in den Kindergarten, das macht die Organisation im Hause Gaisbauer wieder etwas einfacher. Da ist es gut, dass sich bis dahin die Freistellung vom Bereitschaftsdienst Stress mindernd auf das Berufsleben der 47-Jährigen auswirkt. „Ich mache zurzeit keine Nachtdienste. Ab und zu übernehme ich einen Samstagsdienst. Aber eher selten, sodass mir durch die Befreiung einfach mehr Zeit für die Familie bleibt.“

Beratung aus einer Hand

Unterstützung hat sich die Simbacherin auch bei ihrer Kassenärztlichen Vereinigung geholt. Die Beratung sei im „im Grunde sehr gut“ gewesen. Aber als Jungniedergelassene würde ich mich aufgrund der vielen Ansprechpartner bei der KV manchmal schwer tun.“ Sie plädiert deshalb für eine Beratung aus einer Hand. „Es sollte für einen Themenkomplex immer nur einen Ansprechpartner geben. In diesem Fall einen, der sowohl wirtschaftlich beraten kann, als auch bei der Beantragung des Elterngeldes hilft. Und der auch weiß, dass man die Ärzteversorgung aussetzen kann und welche Bescheinigungen da dafür notwendig sind. Da gibt es so viele ungeklärte Fragen, für die benötigt man einfach eine umfassende Unterstützung.“

Tipp für junge Ärztinnen

Sollten junge Ärztinnen den Schritt ins Familienleben also gründlich überdenken? Nur insofern, als dass sie vor Eintritt einer Schwangerschaft ihren Facharzt in der Tasche haben sollten, meint Dr. Ursula Gaisbauer-Riedl. „Es ist einfach sehr schwierig, Teilzeitstellen während der Facharztausbildung zu bekommen.“ Aber danach sei es sowohl im Angestelltenverhältnis als auch als Selbstständige durchaus möglich, Familie und Beruf unter einen Hut zu kriegen. „Es ist und bleibt ein großer logistischer Aufwand, und man muss natürlich auch finanzielle Abstriche machen. Aber es rentiert sich und es ist sehr schön!“

Den vollständigen Artikel finden Sie im KVB-Mitgliedermagazin „KVB FORUM“, Ausgabe 9/2011

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