„Man kann alles organisieren. Man muss nur wollen“

Norbert K. Mülleneisen (55),
Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde,
Innere Medizin und Allergologie,
Leiter eines Asthma- und Allergie-Zentrums in Leverkusen

Für Norbert K. Mülleneisen ist alles eine Frage der Organisation. Wichtig sei, dass der Praxisbetrieb reibungslos laufe und die Mitarbeiterinnen zufrieden seien, sagt der Lungenfacharzt, der zusammen mit einem Kollegen ein Asthma- und Allergie-Zentrum in Leverkusen führt. Zum Team gehören mehrere Medizinische Fachangestellte mit kleinen Kindern. „Flexible Arbeitszeiten sind da ein Muss“, betont Mülleneisen.

In der Praxis von Dr. Mülleneisen arbeiten die meisten Mitarbeiterinnen Teilzeit. Sie sprechen sich untereinander ab und tauschen gegebenenfalls ihre Dienste. Das klappt reibungslos. So ist es möglich, dass eine Kollegin am Vormittag im Allergiezentrum tätig ist, während die Kinder im Kindergarten sind. Eine andere Kollegin übernimmt ihren Nachmittagsdienst. Deren Kinder sind in dieser Zeit bei der Oma bestens versorgt. „Man kann alles organisieren. Man muss nur wollen“, resümiert Mülleneisen die Flexibilität und Selbstständigkeit seiner Angestellten

Pollen zählen zwischen dem Windelwechseln

Dass in der Leverkusener Praxis Flexibilität groß geschrieben wird, zeigt auch folgendes Beispiel: „Unsere Praxis betreibt eine eigene Pollenmessstation. Um ihr kleines Kind versorgen zu können, hat eine Mitarbeiterin ein Mikroskop zur Auswertung einer Pollenfalle zu Hause“, berichtet der Arzt.

„Das funktioniert zuverlässig und ohne dass die Kollegin extra in die Praxis kommen muss. Zwischen dem Windelwechseln können so die Pollen ganz unkompliziert gezählt werden.“ Mehrere Medizinische Fachangestellte, die schwanger waren, haben das Angebot zum schrittweisen Wiedereinstieg bereits genutzt. Sie konnten dadurch schon bald nach der Entbindung wieder in der Praxis arbeiten. Für Mülleneisen und seinen Kollegen ein großes Plus.

Als Arbeitgeber ist der Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde natürlich auch am Ergebnis interessiert. Ob ein Brief zum Beispiel noch am selben oder erst am nächsten Tag geschrieben wird, ist ihm allerdings in aller Regel egal.

Die Sekretärin der Praxis hat eine feste Anzahl an Arbeitsstunden, die sie sich frei einteilen kann. „Wenn ein Brief erst am nächsten Morgen rausgeht, ist das meist kein Problem. Da muss man sich als Chef auch mal zurücknehmen können.“

Für Mülleneisen sind diese Arbeitsstrukturen mittlerweile selbstverständlich: „Auf lange Sicht ist derjenige besser gestellt, der heute schon beginnt, Praxis und Familie unter einen Hut zu bringen.“

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5 Kommentare zu „Man kann alles organisieren. Man muss nur wollen“

  1. B. Boettger sagt:

    Ich habe das mit grossem Interesse gelesen, waere es möglich ,dass diese med. fachangestellten das auch Kolleginnen in Leverkusen vermitteln?das klingt mir doch sehr optimistisch,geradezu realitätsfremd.Ich liesse mich gerne eines anderen belehren, um eine solche Motivation auch zu erreichen.Bin dankbar für einen Kommentar. B.Boettger

  2. Mülleneisen, Norbert sagt:

    Liebe Birgit,
    komm vorbei und schaue Dir unsere Praxis an. Frag unsere Mitarbeiter. Wenn jetzt schon die Dritte MFA nach dem sie woanders gearbeitet hat, freiwillig und für weniger Geld zu uns zurückkommt, kann das nicht nur an meinen blauen Augen liegen…

  3. B. Boettger sagt:

    Hallo Norbert , die Erfahrung der Wiederaufnahme der Arbeit habe ich auch.aber darum geht es nicht ,auch nicht um deine Person, auf die du ansprichst.das hat nichts von konkretem.die frage stellt sich genau so – wie wird untereinander abgesprochen , nämlich unter den Teilzeitkraeften , wer wann arbeitet. Wie laeuft es ab zwischen vollzeitkraeften und den anderen, wenn die Mütter weg müssen um die Kinder zu holen. Wie , wenn der Kindergarten anruft wegen Not“.?dazu brauche ich mir deine Praxis nicht anzusehen, denn ich führe selbst eine seit nunmehr 16 Jahren .das wesentliche ist die Motivation .du sprichst von wiedereinstieg, der geht nur mit dem individuellen engagement , hat dabei tatsaechlich nichts mit Geld zu tun. Insoweit ist dein Artikel wenig hilfreich, denn wenn es eben nicht klappt unter den FA, dann fehlt es wohl an deren Coaching . Wie beschreiben deine FA ihre Organisation? Ein schoenes we wünscht BB

  4. Dr. Gorch Stegen sagt:

    Ein gutes Arbeitsklima ist das wichtigste !

    Nur was erzeugt dieses gute Arbeitsklima. Wir sind der Überzeugung, dass dazu auf vielen Ebenen gute Voraussetzungen geschaffen werden müssen:

    Der Arbeitsplatz soll ansehnlich gestaltet sein. Die Arbeitsabläufe müssen gut funktionieren. Hakt es irgendwo soll das „Qualitätmanagement“, welches wir alle in der Praxis führen, schnell Abhilfe schaffen. Der Sozialraum der Helferinnen soll zum Wohlfühlen in den kurzen Pausen beitragen.
    Das ganze Team soll von der Arbeit leben können. Dafür gibt es für die Helferinnen einen Tariflohn, Weihnachtsgeld und die Zulagen aus VWL und Betriebsrente. Freiwillige Zulagen kann es geben, aber keine Dumpinglöhne !

    Die Motivation der Helferinnen ist auch durch regelmäßige Teamsitzungen und Praxisausflüge zu steigern, wobei sich alle gemeinsam einbringen. Die Einteilung und eigenverantwortliche Arbeit der Helferinnen in die unterschiedlichen Bereiche schafft ebenfalls ein erfülltes Berufsleben.

    Und wir als Chefs lassen eben diesen nicht heraushängen, sondern versuchen zu loben und zu motivieren. Gerade bei jungen, noch nicht eingearbeiteten Helferinnen ist diese Einstellung wünschenswert.

    Die flache Hierarchie – wir „duzen“ uns alle untereinander – wird nicht verwechselt mit Respektlosigkeit, schafft aber einen freundlichen Umgangston.

    Wenn eine Helferin die Stundenzahl reduzieren möchte, darf sie es. Aber genauso müssen wir versuchen, die Vollzeitarbeitswünsche zu realisieren. Jeder lebt von seinem erarbeitetem Geld. Und wir Ärzte immer noch deutlich besser als die nichtärztlichen Mitarbeiter.

    Dr. Gorch Stegen
    MARI-Team
    im MDZ-Dietrichsdorf

  5. Mülleneisen sagt:

    Wenn jemand krank wird oder das Kind früher aus dem Kindergarten abholen muss so wird das mit den Kolleginnen besprochen und oft bekomme ich gar nicht mit das jemand früher gegangen ist. Die anderen springen ein, weil jeder weiß beim nächsten mal trifft es evtl. mich. Wenn es ganz eng wird in der Urlaubszeit z.B. dann muss evtl eben weniger Programm laufen. Dann sende ich auch schon mal zum Röntgen weg, was ich sonst selber mache. Dann muss auch der Chef mitziehen. Aber das Klima ist auch ohne Coaching gut. Die MFA sagen mir auch die Meinung wenn es nötig ist. Das erste was eine Auszubildende von mir lernt ist, dass sie mir zu widersprechen hat wenn ich was falsch mache. Jeder hilft jedem. Dann klappt es. Es sind schon MFA freiwillig aus dem Urlaub gekommen oder haben Ihren Urlaub verschoben wenn die Praxis es erforderte. Da wir viele Teilzeitkräfte haben, können die auch mal einspringen und mehr machen. Dafür gibt es Freizeitausgleich (meist) oder Überstundengeld (selten). Es sind auch schon MFA mit Fieber/krank zur Arbeit erschienen, die habe ich dann nach 2 Stunden heimgeschickt.

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