Job-Sharing: Individuelle Arbeitszeiten und flexible Vertretung

Ursula Windemuth (49),
Gynäkologin in einer Job-Sharing-Praxis in Kastellaun,
alleinerziehende Mutter von drei Kindern.

Job-Sharing sei für sie optimal gewesen, sagt Dr. Ursula Windemuth. „Ich konnte zwei Tage die Woche arbeiten und so die Zeit gut überbrücken bis die Kinder groß genug waren.“ Ihr Mann ist Oberarzt und war wenig zuhause. Nach ihrer Weiterbildung zur Gynäkologin wollte die dreifache Mutter daher nicht voll arbeiten. Sie hatte Glück und konnte eine beschränkte Zulassung erhalten, da ihr Praxiskollege im rheinland-pfälzischen Kastellaun zustimmte, seinen Arbeitsumfang im Rahmen eines Job-Sharings zu reduzieren. Für ihre zwei Praxistage in der Woche nahm sie eine Tagesmutter in Anspruch.

Beim Job-Sharing kommt es auf den passenden Partner an

Für das Job-Sharing gehen zwei Ärzte eine Kooperation als fachidentische Gemeinschaftspraxis ein. Beide haben eine Zulassung, müssen sich aber gegenüber dem Zulassungsausschuss verpflichten, den Praxisumfang nicht wesentlich zu überschreiten und die vom Zulassungsausschuss festgelegte Leistungsbeschränkung anzuerkennen. Der Kollege von Ursula Windemuth reduzierte seine Arbeitszeit auf drei Tage die Woche. „Man muss dafür erst einmal einen Kollegen finden, der sagt, er wolle seinen Tätigkeitsumfang begrenzen“, weiß sie. Und man sei auch von ihm abhängig da der Fortbestand der Gemeinschaftspraxis Voraussetzung für das Job-Sharing ist.

Man kann sich unkompliziert gegenseitig vertreten

Bei ihr hat alles gut geklappt. Wenn die Kinder krank waren, brauchte sie nur selten mal eines mit in die Praxis zu bringen, um darauf aufzupassen. Meist konnte sie zuhause bleiben. „Das ist ein absoluter Vorteil beim Job-Sharing: Man kann sich beliebig gegenseitig vertreten. Bei uns war es möglich, dass ich auch schon einmal die Ferienzeiten ganz frei nehmen konnte, weil ich vorher meine Tage abgedeckt hatte.“ Das hänge aber stark von den Persönlichkeiten ab und ob der Partner bei den Vertretungen mitspiele.

Am Ende winkt die Vollzulassung

Die Kinder von Ursula Windemuth sind jetzt zwischen dreizehn und achtzehn Jahre alt und kommen allein zurecht. Da trifft es sich gut, dass nun bald auch zehn Jahre Job-Sharing um sind: Dann entfällt die Beschränkung ihrer Zulassung und die Gynäkologin kann automatisch ohne Leistungsbegrenzung arbeiten. Gleiches gilt für ihren Kollegen. „Ich kann das empfehlen. Solange die Kinder klein sind, ist man viel zuhause. Später kann man wieder mehr arbeiten“, berichtet Ursula Windemuth.

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Ein Kommentar zu Job-Sharing: Individuelle Arbeitszeiten und flexible Vertretung

  1. Dr. Gorch Stegen sagt:

    10 Jahre Job-Sharing, dann winkt die Vollzulassung…
    Das klingt gut, aber die inzwischen mindestens alle zwei Jahre durchgeführten Honorarreformen können unüberschaubare Risike für das Job-Sharing mit sich bringen. Die Begrenzung der Leistung bezieht sich auf die Punkte, die erbracht werden. Neue Regelungen zu RLV, QZV, Pauschalen, Einzelleistungsvergütungen sind davon komplett abgekoppelt. Profitiert eine scheinstarke Job-Sharing Gemeinschaft im RLV so wird dieses hohe RLV zur Verfügung gestellt. Werden die dafür notwendigen Punkte erbracht erfolgt auf der Abrechnung die Jobsharingkürzung. Wird der Punktwert abgesenkt. Egal – dann sinkt das Honorar, da ab der Job-Saring-Punktzahlobergrenze alles weggestrichen wird. Ist eine Honorarreform mit Vorteilen in der Abrechnung verbunden, dann ordnet der Vorstand der KV eine Neuberechnung des „Anpassungsfaktores“ an. Der ist niedriger als zuvor und damit aller vermeintlicher Honorarzuwachs dahin. Aber dann muss mehr Leistung für die Erreichung dieses begrenzten Honorares erbracht werden. Hat die Honorarreform Nachteile. Pech gehabt. Dann hilft auch Mehrarbeit nicht. Werden die Punktkontingente schlechter vergütet, schlägt sich das im Job-Sharing direkt auf das Honorar negativ nieder.

    Für wen ist 10 Jahre Job-Sharing das Richtige ?
    Wenn genügend Privatpatienten vorhanden sind, kann jede Zeit für die Behandlung zum Zwecke dieser zusätzlichen Privatvergütung verwendet werden. Der „Kassenpool“ erarbeitet sich in jedem Falle „einfach nebenbei“. Wenn die Praxis, aus der das Job-Sharing hervorgegangen ist, weit überdurchschnittlich war in den „relevanten“ vier Vorquartalen, dann lohnt der 3%-Aufschalg und bietet auch für zwei Ärzte in den nächsten 10 Jahren einigermaßen finanzielle Sicherheit. Das 10te Jahr Job-Sharing schafft dann ein hohes Budget (derzeit RLV/QZV genannt), um in Jahr 1 der zwei Vollzulassungen bei viel Arbeit voll „absahnen“ zu können.

    Aber ist ein Jahr Höchstverdienst als Ausgleich für 10 Jahre „Job-Sharing-Abzug“ genug? Das muß jeder potentielle Job-Sharer für sich selbst entscheiden.
    Gibt es in 10 Jahren überhaupt noch Zulassungen oder Sperrgebiete ? Das kann keiner wissen. Da wettet jeder auf ein unsicheres Pferd…

    Liebe Grüße,
    Dr. Gorch Stegen
    Arzt für Innere Medizin, Gastroenterologische Untersuchungen
    MDZ-Dietrichsdorf
    …im 10ten Jahr als Job-Sharer

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